Körner Fonds: 84.000 Euro für junge ForscherInnen

Körner-Preis: Bessere Studienbedingungen
Frage der sozialen Gerechtigkeit

Probleme werden zu wenig zur Kenntnis genommen

An den Hochschulen gebe es zu wenig Mittel, damit alle Studierenden zügig vorankommen, kritisierte AK Präsident Herbert Tumpel heute bei der Verleihung  der Körner Fonds-Preise an der Uni Wien. Ebenso wenig werde die soziale Lage der Studierenden zur Kenntnis genommen: Fast 70 Prozent müssen neben dem Studium arbeiten, um ihr Leben zu finanzieren.

Die Arbeiterkammer bringe das immer wieder in die Debatte ein, diese Frage der sozialen Gerechtigkeit sei wichtig für die Studierenden. Der von Arbeiterkammer und Gewerkschaften initiierte Körner-Fonds unterstützt junge WissenschafterInnen und KünstlerInnen. Heuer bekommen 51 junge Talente bis zu 3.000 Euro Starthilfe für ihre Arbeiten.

Studiensystem muss reformiert werden

Der Körner-Fonds wurde in den 50-er Jahren eingerichtet, als es in Österreich fast keine Forschungsförderung gab. Heute sei es nicht mehr so wie damals, so Tumpel, trotzdem gebe es Probleme mit der Ausstattung der Hochschulen und der finanziellen Unterstützung der Studierenden. Der AK Präsident verlangt ausreichend Mittel für die Hochschulen, speziell die Lage berufstätiger Studierender müsse verbessert werden. Weil sich viele Studierende selbst erhalten müssen, sei insbesondere eine Reform des Stipendiensystems notwendig.

Überdies kritisiert Tumpel, dass Studienrichtungen oft nur nach ihrer wirtschaftlichen Verwertbarkeit beurteilt werden. Entscheidend sei, dass Studienmöglichkeiten in ihrer ganzen Breite gegeben seien, ihm werde immer ganz schlecht, wenn von so genannten Orchideenfächern die Rede sei. Der Körner Fonds fördere die Breite, bis hin zur Kunst.

Tumpel gratulierte den PreisträgerInnen zu ihren Leistungen: „Ich bedanke mich stellvertretend für die Gesellschaft, für die Sie einen Beitrag geleistet haben."

84.000 für junge ForscherInnen

Von Forschung zur besseren Behandlung von Krebs bis hin zur Abschätzung der gesellschaftlichen Kosten der Atomkraft reichen die Arbeiten von 51 jungen ForscherInnen und KünstlerInnen, die heute an der Uni Wien Starthilfe vom Theodor Körner Fonds bekamen. Der von Arbeiterkammer und Gewerkschaften initiierte Fonds vergibt jeweils zwischen 1.500 und 3.000 Euro Starthilfe. Die Preise verlieh AK Präsident Herbert Tumpel.

Im Bereich Medizin, Naturwissenschaften und Technik fördert der Körner Fonds heuer Andreas Birbach für seine Forschung nach den Ursachen der Schuppenflechte. Michaela de Martino erforscht die Risikofaktoren für Nierentumore, um bessere Vorbeugung zu ermöglichen. Georg Steinhauser wiederum wird mit Förderung des Körner Fonds ein Experiment von Auer Welsbach (Chemiker und Erfinder des Glühstrumpfs bei Gaslampen) wiederholen. Das, so Steinhauser, könnte vielleicht unser Wissen über die Radioaktivität revolutionieren.
 

Bis zu 3.000 Euro Starthilfe für 51 junge Talente

Um Radioaktivität geht es auch in einer der Arbeiten, die der Fonds im Bereich Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften fördert: Martina Zweimüller untersucht die gesundheitlichen und sozialen Folgen des Reaktorunfalls von Tschernobyl in Österreich, um die gesellschaftlichen Folgekosten von Atomkraftwerken abzuschätzen. Martin Halla rechnet an Hand von Daten der Gebietskrankenkasse nach, was Krankheit durch Arbeit die Sozialsysteme kostet. An einem wirtschaftlich gerechten Steuersystem für die Gewinne von Konzernen arbeitet Matthias Petutschnig.

Im Bereich Geistes- und Kulturwissenschaften untersucht Elisabeth Westphal die Gründe für die überstürzte Einführung des Baccalaureats-Studiums in Österreich. Gillles Reckinger untersucht die Entwicklung der Insel Lampedusa als Ziel von Flüchtlingen.

Drei Spezialpreise vergibt die Gemeinde Wien: an Margareta Ferek-Petric („Take 7“ – Musik und Komposition), Vera Kaiser (Roman „Blasmusikpop oder wie die Wissenschaft in die Berge kam“) und Angelique Leszcawski-Schwerk („Frauenbewegungen im österreichischen Galizien“).